190 Puls auf 3600 Meter Höhe

Unsere kleinen Rucksäcke wurden mit jeglicher warmer Kleidung, die wir dabei haben, gepackt und im Supermarkt deckten wir uns noch mit Nüssen, Bananen und Wasser ein.
Früh morgens machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu dem Hostel und Veranstalter „Tropicana“. Dort angekommen trafen wir unseren neuen Freund Marlon wieder und waren nervös und voller Vorfreude zugleich. Für uns ging heute es auf den inaktiven Vulkan Acatenango und wir werden auf den aktiven Vulkan Fuego blicken.
Warum wir nervös waren? Weil wir noch nie auf 3600m Seehöhe aufsteigen mussten.
Im Hostel angekommen, gab es für uns ein Frühstück zur Stärkung und jedem wurde sein Lunchpaket übergeben. Anschließend liehen wir uns noch die restliche warme Kleidung aus, die uns fehlte – in unserem Fall gab es dicke Jacken, Mützen und Handschuhe.
Nachdem alle ausgestattet waren, und wir die „Einverständniserklärung für unseren Tod“ unterschrieben hatten 😅, gab es kein Zurück mehr. Wir wurden in Busse verfrachtet und die Fahrt zum Startpunkt, welcher auf ca. 2400m lag, begann. Dort angekommen bekamen wir eine Erklärung über die zu absolvierende Strecke und unsere drei Guides wurden uns vorgestellt. Der Erste durfte nicht überholt werden – der Letzte niemanden zurücklassen. 
Manche waren nochmal am WC, andere borgten sich Wanderstöcke oder Stirnlampen aus und um 10:45 Uhr ging es endlich los. Wir waren eine Gruppe von ungefähr 20 Leuten und alle starteten voller Neugierde hinauf auf den Berg. In weniger als einer halben Stunde waren wir bei einer kleinen Hütte angekommen und machten Pause. Die Hütte war ein kleines Restaurant und man traf dort die Rückkehrer der gestrigen Wanderung. Ungefähr 20 Minuten später ging es weiter. Der Weg führte steil nach oben und man konnte wählen zwischen rutschigem Sand und steilen Treppen. Wir fragten uns, wie es hier morgen wieder hinab gehen sollte, ohne auf dem Hintern zu rutschen 😅
Um 11:30 Uhr hatten wir den ersten steilen Part hinter uns und machten diesmal eine längere Pause. Bei der Buchung der Tour wurde uns gesagt, dass man pro Person 4 Liter Wasser mitnehmen soll. Einen Liter davon musste man allerdings oben abgeben, da dieser zum Kochen gebraucht wird. Ich (Conny) hatte in meinem Rucksack diese 4 Liter Wasser, Kleidung und noch ein paar Snacks. Krissi hatte in seinem Rucksack 5 Liter (wir wollten auf Nummer sicher gehen), seine Kleidung, Snacks und die Drohne. Wir verbrauchten erst mein Wasser, um meinen Rucksack zu erleichtern.
Nach weiteren 20 Minuten erreichten wir den Eingang des Nationalparks in dem wir uns befanden und mussten uns registrieren. Es foltge ein Wald indem es abermals stetig bergauf ging. Um 13:00 Uhr kamen wir in 3187m Höhe an und machten Mittagspause. Das Lunchpaket, in dem ein Wrap und ein Schokomuffin waren, füllte die verbrauchte Energie wieder auf. Nach der Stärkung starteten wir mit den letzten 400 Höhenmetern. Der Weg verlief jetzt serpentinenartig und die Landschaft wurde immer karger. 
Die Erholung ließ leider sehr schnell nach und die Höhe, machte sich deutlich bemerkbar denn die Muskel erholten sich nie vollständig, egal wie lang die Pause dauerte. Inzwischen sahen wir die Wolken unter uns und wir waren nunmehr die letzten der Gruppe. Das war uns natürlich egal und der Guide (der Letzte, der niemanden zurück lässt) war super nett. Er hat uns ständig gefragt ob alles gut sei, sagte dass wir jederzeit Pause machen könnten und dass es „nur noch“ 40 Minuten bis zum flachen Abschnitt sind. 
Erst jetzt realisierte Krissi wie schwer sein Rucksack (~10kg) war und da er sehr zu kämpfen hatte, tauschten wir unsere Rucksäcke immer wieder hin und her – so klappte es ganz gut. 
Um 15.00 Uhr hatten auch wir es endlich geschafft. Das Ziel war noch nicht ganz erreicht, aber der Weg verlief ab jetzt nur noch flach dahin. Nun gingen wir auf schwarzem Lava Sand und kreuzten den Vulkan. Trotz des sandigen Untergrundes war die Landschaft ein wenig grün und es wuchsen hier und da sogar ein paar Blumen. Um 15:40 Uhr waren wir das erste Mal mit dem aktiven Vulkan Fuego auf Augenhöhe. Man konnte ihn jetzt schon regelmäßig „donnern“ hören und wir sahen Rauchwolken aus seinem Inneren aufsteigen. 
Keine fünf Minuten später hatten wir es endlich geschafft – wir waren im Camp auf 3600m Höhe angekommen 😍. In diesem Moment waren wir einfach nur stolz und überglücklich. Die Aussicht auf den Vulkan und die Wolkendecke unter uns war atemberaubend schön.
Das Camp war recht klein. Es bestand aus zwei Schlafhütten, welche mit Stockbetten, Schlafsäcken und Decken ausgestattet waren, einem Lagerfeuerplatz mit Bänken rundherum, einer Hütte in der gekocht wurde und einem sehr einfachen WC Häuschen. Während sich ein Teil der Gruppe auf eine weitere „kleine“ Wanderung näher zum Vulkan Fuego machte, genossen wir die letzten Sonnenstrahlen am Lagerfeuer und aßen Nudelsuppe. 
Sobald die Sonne weg war, wurde es sehr schnell ziemlich ungemütlich kalt. Wir packten uns in die warmen Sachen und holten dazu noch die Decke aus dem Bett. Für den Anblick des Vulkans, der alle 10 Minuten laut knallte und Lava spuckte, war uns die Kälte egal. Außerdem wurden wir von unseren Guides verwöhnt und köstlich bekocht. Nach der Suppe gab es noch Nudeln mit Gemüse, Rotwein, heiße Schokolade und gegrillte Marshmallows. Es war ein schöner und gemütlicher Abend in einer außergewöhnlichen Umgebung, den wir nie vergessen werden. Um 20:00 Uhr kuschelten wir uns in unseren Schlafsack denn die Nacht sollte schon um 4:00 Uhr wieder enden.
Das Grollen des Vulkans und die zunehmende Kälte ließen uns jedoch unruhig schlafen und wir wachten immer wieder auf. 
Wie geplant klopften unsere Guides um 4:00 Uhr an die Wand der Hütte und weckten uns für die anstehende Sonnenaufgangswanderung zu der Spitze des Acatenango – geplante Dauer waren 1,5 Stunden. Also raus aus dem kuscheligen Schlafsack und rein in die eiskalte Kleidung. Schuhe binden, Mütze aufsetzen, Stirnlampen einschalten und schon stapften wir im Gänsemarsch den Berg hinauf. 
Es fing gleich wieder sehr steil an und es war eher ein Klettern als eine Wanderung. Nach 20 Minuten trafen wir die Entscheidung umzukehren und nicht mit bis zur Spitze zu gehen. Es war extrem anstrengend für mich (Conny) und ich hatte Angst meine Kräfte, die ich für den Abstieg brauchen würde, zu vergeuden. Ein Guide und ein anderes Pärchen, (von dem es ihr genauso ging wie mir), begleiteten uns zurück ins Camp. Der Guide entzündete erneut ein Feuer und wir konnten den Sonnenaufgang genauso gut vom Basecamp aus beobachten. 
Wir legten uns nochmal ins Bett und konnten sogar noch ein wenig schlafen, bis die anderen zurück kamen und es Frühstück gab. Zum Frühstück bekamen wir Bananenkuchen, Haferflocken mit Milch und Kaffee oder Tee. Nachdem alle gestärkt waren, packten wir unsere Sachen und es hieß „vamonos“ (spanisch für los geht’s). 
Der Weg abwärts verlief anfangs ziemlich einfach, jedoch fingen nach einer Weile die Oberschenkelmuskeln an zu brennen und man musste sich sehr darauf konzentrieren nicht auszurutschen. Jeder von uns ist nur einmal auf den Hintern gefallen 😅 Das letzte steile Stück (welches wir oben schon beschrieben haben) hatten wir dann um 11.00 Uhr endlich hinter uns gelassen. Von nun ging es noch eine halbe Stunde ziemlich eben dahin, bis wir es geschafft hatten.
Völlig dreckig, nass geschwitzt und müde aber stolz und erleichtert es gemeistert zu haben, sind wir unten angekommen. 
Unsere Guides verabschiedeten sich von uns, wir stiegen in den Bus und fuhren zurück nach Antigua. Bei dem Hostel angekommen, gaben wir die geliehenen Sachen zurück und gingen noch schnell Pizza essen. Danach wollten wir nur noch in die Unterkunft und sofort unter die Dusche. Den Rest des Tages verbrachten wir im Bett und erholten uns.

1 Kommentar

  1. Avatar von Brigitte FRAISL Brigitte FRAISL sagt:

    Wahnsinn! Mutig! Super schön, aufregend einmalig.Ihr macht das toll.Aber bitte paßt auf euch auf. Liebe Grüße Tante Brigitte

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