Mit einem gebuchten Shuttle (1100 Pesos = 45 € pro Person) ging es für uns in einer 12-stündigen Fahrt von San Cristóbal nach Guatemala.
Das Busunternehmen teilte uns mit, dass wir um 5 Uhr morgens bei unserer Unterkunft abgeholt werden würden und dass durch das Einsammeln mehrerer Mitreisender, es durchaus zu einer Verspätung kommen könne.
So stellten wir uns 5 Minuten vor der Zeit auf die Straße in die Kälte und warteten. Als um 5.30 Uhr weit und breit immer noch niemand zu sehen war, schrieben wir eine Nachricht und bekamen zur Antwort, dass in den nächsten 20 Minuten jemand komme. Um 6 Uhr kam dann endlich ein Bus – leer. Wir ärgerten uns ein wenig, dass wir die ersten waren und trotzdem eine Stunde warten mussten. Endlich im Van, erklärte uns der Fahrer wild gestikulierend, dass wir den Bus noch wechseln müssen. Eine weitere halbe Stunde fuhren wir durch die Gassen und sammelten weitere Passagiere ein. Kurz vor 7 Uhr kamen wir dann bei dem richtigen Bus an. Wir verstauten unser Gepäck im Kofferraum und währenddessen füllte sich der Bus – für uns blieben nur noch Plätze in der letzten Reihe.
Diese Busfahrt sollte die schlimmste Fahrt unseres Lebens werden.
Wir saßen in der letzten Ecke des Busses, hatten keinen Platz für unsere Beine und bei jedem Geschwindigkeitshügel (von denen gibt es hier seeeeehr viele) hüpfte die gesamte letzte Reihe gefühlte 10 cm in die Luft.

Krissi musste die ganze Busfahrt über so sitzen und oben hatte er noch ein paar Zentimeter bis zur Decke. Zu Beginn der Fahrt wurde uns gesagt, dass wir nach 2 Stunden eine Toilettenpause machen würden, doch dann kam alles anders. Auf einmal fing der Busfahrer an, irgendetwas auf spanisch zu reden und wir verstanden nur „no sanitario“. Gefühlt der gesamte Bus konnte kein spanisch, bis auf ein Mädchen aus der Schweiz 😅 Sie war so nett und übersetzte uns „Es gibt auf unserer Route eine Straßenblockade und um diese möglichst schnell hinter uns zu lassen, werden wir erst nach der Sperre eine Pause einlegen. Außerdem meinte er, dass die Reiseagentur die Kosten übernehmen werde.“ Wir hatten trotz der Übersetzung immer noch keine Ahnung was hier gerade passiert, aber auch keine Möglichkeit nachzufragen. Im Bus wurde es laut und jeder versuchte zu erörtern was da vor sich geht. „Wer blockiert die Straße? – Wofür zur Hölle müssen wir jetzt schon wieder bezahlen? – Wann können wir endlich aufs Klo?“
Als wir uns der Straßensperre näherten, waren wir froh in diesem Bus zu sitzen. Eine Gruppe von Leuten, alle hatten Masken auf und einen Stock in der Hand, sperrte mit einem Seil die Straße und verlangte von jedem Auto Geld.
Wir bemerkten, dass unser Fahrer sichtlich nervös war und wollten uns nicht vorstellen, wie schlimm so eine Straßenblockade enden kann. Glücklicherweise haben wir die Sperre schnell passiert und machten kurz danach unsere versprochene Pause. Wir unterhielten uns mit anderen Passagieren und sie erzählten uns, dass es hier öfter zu solchen Sperren komme. Diese Gruppen sind indigene Gesellschaftsabspaltungen (Zapatisten genannt) die hier in Chiapas leben. Sie haben ihren eigenen Gesetze und Rechte und kämpfen gegen ihre Unterdrückung und Ausgrenzung. Um Aufstände zu vermeiden, unternimmt weder die Regierung noch die Polizei etwas dagegen. Aufgrund der eigenen Gesetze versucht jeder den Zapatisten aus dem Weg zu gehen und ist froh, wenn er schnell und ohne Probleme durch so eine Blockade durchkommt.
Nach der Pause quetschten wir uns erneut für ca. eine Stunde in den Bus, dann erreichten wir endlich die Auswanderungsbehörde. Hier benötigten wir unseren Pass und den Einwanderungsnachweis, den wir bei der Einreise in Mexiko erhalten hatten. Uns wurde gesagt, dass wir diesen Nachweis bis zu unserer Ausreise gut aufbewahren sollen – ein Mitreisender hatte diesen Nachweis verloren und musste deswegen 700 Pesos = 29,00 € bezahlen. Bei uns lief alles glatt und wir bekamen einen Stempel in unseren Pass, der unsere Ausreise aus Mexiko bestätigt. Nachdem alle überprüft waren, ging es weiter bis zur Grenze. Das letzte Stück mussten wir zu Fuß absolvieren. Wir gingen durch Straßen, gesäumt von Marktständen links und rechts und mittendrin war der Grenzübergang. Auf der guatemalischen Seite mussten wir als erstes in ein „Coronazelt“, in dem man unser Impfzertifikat kontrollierte und unsere Temperatur maß. Mit diesem Wert gingen wir weiter zum Einwanderungsschalter, an welchem wir den Einreisestempel für Guatemala erhielten. Danach hieß es mal wieder warten auf den Bus.
Diesmal aber haben wir darauf geachtet als erstes einzusteigen und konnten uns somit einen Platz in der ersten Reihe sichern. Unser Gepäck wurde auf das Dach geschnallt um die maximale Anzahl an Leuten in den Bus quetschen zu können. Die Fahrt war wiedermal sehr holprig und dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Extrem steile und kurvige Straßen, riesige Löcher im Fahrbelag und schwarze Abgaswolken der anderen Fahrzeuge machten es zu einer weiteren Horrorfahrt.
Nach weiteren 6 Stunden sind wir endlich in Panajachel, am See Atitlan, angekommen. Als Abendessen gab es noch schnell eine Pizza und wir konnten es kaum erwarten endlich im Bett zu liegen.
Im Nachhinein betrachtet, würden wir uns das nächste Mal sicher fürs Fliegen entscheiden, da es komfortabler und schneller ist.
Trotz aller widrigen Umstände, war diese Art von Grenzübertritt eine neue und einzigartige Erfahrung.


















